Reisebericht Glasgow

Tag 1 - Die Abreise

Unsere kleine Reise begann obligatorisch mit einem Besuch bei Mc Donalds. Das Einzige, was nicht passte, war die Uhrzeit; 06:45 (!)

Nachdem wir uns gestärkt haben, versammelten wir uns am Bus und stellten fest, dass unsere Luxusbusse ihre beste Zeit schon hinter sich hatten und der Altersdurchschnitt bei mindestens 45 + lag. Ein weiterer Schock sollte aber noch folgen; der Busfahrer deutete an, dass er die erste Pause erst nach 3 Stunden machen wollte und dies auch die einzige bleiben sollte. Glücklicherweise stellte sich aber nach 1 ½ Stunden heraus, dass unser panisches Flehen erhört wurde und dieser Rhythmus wurde dann fast immer eingehalten (nicht wahr Steffi?).

Bis dahin war es eine sehr ruhige Fahrt, was unsere Fanclubeigenen  "Statler" und "Waldorf" nicht wirklich begrüßten, da man ja schließlich auf einer Auswärtsfahrt sei. Nobby und ich wurden auch im 15 Sekundenrythmus genötigt zu singen; wenn wir uns weigerten, wurde dies auf mangelnden Alkoholgenuss zurückgeführt (die beiden hatten allerdings auch schon „Zitronenwoddi“ in der Blutbahn J)

Am nächstbesten Rastplatz wurde dies durch jeweils einen Liter Faxe abgestellt. Ab da wurde nicht nur die Trinkkultur über Bord geworfen und es wurde nun sehr langsam etwas lockerer in der Reisegruppe. Die weitere Anreise verlief ohne weitere Vorkommnisse, nun ja bis auf die Strickaffäre. Gegen 16°° kamen wir in Amsterdam an und wir mussten auch schon gleich einchecken.

 

Die Fähre war schon etwas älter und war in etwa in dem gleichen baulichen Zustand wie der Reisebus (es handelte sich um die ehemalige „Peter Pan“, die früher auf der Linie Travemünde-Trelleborg verkehrte). Als wir unsere 3m²-Doppelkabinen bezogen haben machten wir uns auf eine Erkundungstour durch das Schiff und entdeckten einen Sportpub, der ein HSV-Beer-Festival veranstaltete. Das war doch was für uns! Nach einigen Cider legten wir auch letztendlich ab und es wurde uns nach einigen Minuten bewusst, warum auf den Kabinen und sonst auch alle 10 m stapelweise Kotztüten auslagen. Der Kahn schwankte ganz schön und war für die (an diesem Tag eigentlich ruhige) Nordsee nicht gebaut. Ich kürze es ab, wir alle waren seefest, aber so manch anderer kotzte sich die Seele aus dem Leib.

 

Da auch bei uns irgendwann der Hunger einsetzt, beschlossen wir uns auf Nahrungssuche zu begeben und stellten fest, dass die Gerüchte über die 31,50 EUR für das Buffet in keinster Weise übertrieben waren. Aber nun gut auf so einem Schiff gibt es ja Alternativen. Hier begrenzten diese sich auf Hungern oder 40 EUR für ein Steak. Also wieder zum Buffet…

Wer Muscheln mag (Gaby und Steffi), ist hier gut aufgehoben und kann das Geld auch wieder reinholen, wer es allerdings nicht mag, der tut sich am Kinderbuffet gütlich. Zumindest, wenn es demjenigen nichts ausmacht, dass am Nachbartisch gekotzt wird.

 

Nach diesem Mahl zogen wir uns in die Kabinen zurück und erlebten eine teils wilde Nacht… aufgrund des Seegangs!

Tag 2 - Oh nein, wir fahren zum George Square

Nobby und ich standen schon um 06°° auf und ich versuchte erst mal einen Kaffee zu besorgen. Tja Pustekuchen, gibt´s erst ab 07°°. Na ja was soll`s sind wir halt rauchen gegangen, dies war allerdings auch keine so gute Idee, da wir dort immer vom „Hausmeister“ und seinem Gartenschlauch verjagt wurden. Als dann endlich das Frühstückscafe geöffnet hatte konnte ich mir einen „Kaffee“ für geschmeidige 3,40 EUR kaufen. Gott sei dank ist aber so eine Fährüberfahrt irgendwann auch zu Ende und wir legten schlussendlich doch noch an. Wir versammelten uns, wie vorher von der Reiseleitung angekündigt, auf dem Parkdeck um dann festzustellen, dass wir doch nicht im Bus sondern über eine Gangway anlanden. Also wieder 4 Stockwerke mit dem Gepäck hoch. Zum Glück hatten wir alle schon unsere Jacken an, sonst hätten wir bei der körperlichen Anstrengung und den 25° C an Board noch gefroren. Abgerundet wurde dieser schöne Morgen nur noch durch die 2-stündige Passkontrolle, bei ähnlichen klimatischen Bedingungen.

Als wir am Bus ankamen stellten wir fest, dass einige Rentner im Bus eine neue Sitzordnung bestimmt haben und sich weigerten die neuergatterten Plätze wieder zu räumen. Nach einigem Gezeter und dem eingreifen der Reiseleitung konnte dies aber gütlich gelöst werden und wir setzten unsere Reise fort. Auch unser Busfahrer soll erwähnt werden, als wir losfuhren konnten wir endlich anständigen Kaffee trinken, da dieser diesen schon aufgesetzt hatte!

 

Nach ca. 3 ½ Stunden kamen wir endlich in Glasgow an und bezogen unser Hotel. Nach einem kurzen Check-in sollte es nun in die Innenstadt gehen. Es war angedacht zum Fan-Hotspot (George Square) zu fahren und sich mit den eigenen und den Rangers-Fans zu treffen, gepflegt in einen Pub zu gehen und sich auf’s Spiel vorbereiten. Die Stimmung im Bus war nun deutlich besser, aber angekommen, sollte der nächste Rückschlag nicht lange auf sich warten lassen.

 

Bis auf die Fans in den Bussen war dort niemand, der auch nur annähernd nach Fußball aussah. Scheinbar gab es hier eine Fehlinformation. Auf diese ist dann aber auch die Polizei reingefallen. Neben einer Reiterstaffel und einem mobilen Büro rannten dort noch ca. 50 weitere Uniformierte rum. Uns hielt an diesem Platz eigentlich nur noch die Erdanziehungskraft also beschlossen wir uns erst einmal zu stärken und dann zu schauen, was man so noch anstellen könnte.

Nach einer Pizza (geschmacklich ok, preislich unschlagbar) und Fish&Chips (die Chips hatten den Geschmack und die Konsistenz einer aufgeweichten Sperrholzplatte) gingen wir gleich in den nächstbesten Pub und verkürzten uns die Zeit mit Bier und Cider. Da im ganzen Inselreich das Rauchen nur draußen erlaubt ist, saßen wir vor der Tür, direkt an der Straße. Da das Spiel nun greifbar nahe war und der Alkohol auch seine erwünschte Wirkung tat, fingen wir an Schlachtengesänge zum Besten zu geben, was dazu führte, dass zwei Polizisten wie Pilze aus dem Boden poppten und uns einen Zettel überreichten auf dem in Bretterdeutsch stand, was alles nicht erlaubt sei. Singen gehörte dazu… Nun gut, interessiert hat uns das nicht, also kam auch noch der Türsteher des Pubs und wies uns auf unser Fehlverhalten hin, was uns aber auch nicht direkt hinderte.

 

Irgendwann ist auch das größte Bier getrunken und wir machten uns auf den Weg in den sagenumwobenen Celtic Park.

Das der kleine „sympathische“ Schwesterverein unserer Stadtrivalen ein Arbeiterklub ist wurde uns schlagartig bewusst, als wir durch Viertel fuhren, die man nach Einbruch der Dunkelheit nur mit einer Kevlarweste und einem Sturmgewehr betreten sollte. Am Stadion selbst alles voller Polizei und direkt am Stadioneingang mindestens 2 Ordner/Polizisten auf jeden Fan, dazu eine Bandansage mit in etwa diesem Wortlaut: „Das Benutzen von Bengalo ist eine Beleidigung und man wird verhaftet“. Da war es also wieder diese Bretterdeutsch. Nach mehrmaligem Petting durch die Ordnungsmacht (bei Nobby insgesamt 6 mal) durften wir endlich hinein.

 

Dass es im Stadion selbst kein Bier geben würde, war uns klar, aber trotzdem war die Getränkeauswahl für einen Festlandeuropäer teilweise etwas schräg. Neben Cola und Kaffee (geschmacklich eine Katastrophe) gab es einen „Beefy drink“. Wie wir rausfanden handelte es sich hierbei um Rinderbouillon, na lecker. Da die Katakomben sonst nichts zu bieten hatten, bezogen wir unsere Plätze im Stadion.

 

Es ist scheinbar nur in Deutschland üblich schon lange vor Anpfiff zu erscheinen, denn außer uns Hamburgern war niemand da. Zum Glück war es nicht mehr lange hin bis zum Anpfiff…

Wie einige wissen, ist es verboten in britischen Stadien zu Rauchen, die Kunst bestand nun darin, nicht von den 20 Kameras des Gästeblocks, den Ordnern oder der Polizei in ihrem Glaskasten erwischt zu werden. Wer sich schon immer fragte, was die ganzen Stasi-Leute nach der Wende nun machen, ich glaube, die sind alle hier.

 

Endlich fing das Spiel an und was war das? 3000 Hamburger, unterstützt von ein paar Rangern haben das Stadion sofort unter Kontrolle. „You’ll never walk alone“ kam vom Band und unter uns, ohne das Playback wäre wahrscheinlich gar nichts gekommen. Nun gut, die Mannschaft zeigte wie man Fußball spielt und wir, wie man supportet, eine runde Sache!

 

Das Spiel selber war spannend aber nicht wirklich ein Leckerbissen. Die Celtic-Fans verließen geschlossen 5 Minuten vor Ende das Stadion und haben so wahrscheinlich verhindert, dass ihre Mannschaft noch ausgleicht, aber was soll’s wir hatten die 3 Punkte und haben die Gegner mit einem würdevollen „Aufwiedersehen“ verabschiedet.

 

Nach dem Spiel wollte die Mannschaft zusammen mit uns Feiern, was ihnen aber verwehrt wurde. So kam es, dass Jaro, Fäustel, Matthes und Bruno noch Ärger mit der Ordnungsmacht hatten. Auch das Erscheinen von Fummel und Frau Kraus änderte nichts an der Situation. Das war ganz arm von den Ordnungskräften.

 

Als wir das Stadion auf Drängen der Polizei verlassen hatten, ging es zügig zu den Bussen und unsere Odyssee nahm ihren Lauf. Mittlerweile 7 Busse wurden mit einer Polizeieskorte aus der Stadt geleitet. Aus der Stadt? Moment! Wir wollten doch in die City! Kurz vor der Stadtgrenze büxten wir aus und es kam zur wahrscheinlich einzigen Verfolgungsjagd mit Reisebussen! Nun gut, wir wurden dank mangelnder Endgeschwindigkeit der Busse relativ fix wieder eingefangen und es wurde mit der Polizei recht laut darüber diskutiert, wo wir denn nun hinfahren.

 

Der geneigte Leser ahnt es bestimmt schon. Es ging wieder zum George Square. Da es nun mittlerweile kurz vor Sperrstunde war, hielt sich unsere Lust merklich in Grenzen, aber wir dachten uns, wenn die Polizei dort schon die ganze Zeit herumsteht, bieten wir denen wenigstens etwas. Also Bustüren auf, alle raus, ein paar Lieder gegrölt, fürs TV posiert, eine geraucht und wieder weg. Ein Rollkommando!

 

Nach einer weiteren unfreiwilligen Stadtrundfahrt und dem erklimmen des wohl höchsten Bergs Glasgows (was mit einem Reisebus beachtlich ist) waren wir endlich auf der Schnellstrasse in Richtung Hotel. Unterwegs gab es auf einmal eine Sperrung bei der Schilder mit der Aufschrift „Police Accident“ aufgestellt waren. Es wurden zu diesen Schildern natürlich flache Witze gerissen, wie „Oh guck mal, die haben sogar eigene Schilder für einen Polizei-Unfall“ aber gekrönt wurde dies, als wir sahen, dass dort tatsächlich ein Polizeiwagen auf dem Dach lag!

 

Mit den Mägen in den Kniekehlen und Durst wie nach einer Sahara-Tour kamen wir im Hotel an. Nachdem Gaby und Steffi versucht haben, die kompletten Chips-Vorräte aufzukaufen, wurden sie gefragt, ob sie nicht lieber einen Hamburger hätten, was sie natürlich bejahten. Nun gab es also Essen und Trinken, was zu einem netten Abschluss des Abends führte.

Tag 3 - Alles geht auch mal zu ende

Ausgeruht, aber körperlich am Limit sollte es nun in Richtung Heimat gehen. Als die letzten um 11:45 aus dem Pub per Taxi zum Bus kamen, konnte es auch endlich losgehen. Die Fahrt nach Newcastle verlief eigentlich ohne weitere Vorkommnisse, nun ja wenn man den „Unfall“ mit dem Bustoilettenvetil auf einem britischen Parkplatz außen vor lässt. Am Hafen wurde uns erklärt, wir würden mit unserem Bus in eine Halle fahren, dort würden wir kontrolliert und dann könnten wir die Fähre betreten. Da das einchecken sonst sehr  lange dauert, wir kannten es ja noch von der Anreise, kam uns dies natürlich sehr gelegen. Also rein in die Halle, stichprobenartige Kontrollen des Gepäcks und weiter… in die Abfertigungshalle. Was zum Geier? Die haben uns gepflegt verarscht. Also wieder anstehen…

 

Nachdem wir wieder mal mehrfach kontrolliert wurden, durften wir endlich auf’s Schiff. Gaby und Steffi haben sich sogleich wieder für’ Buffet angemeldet und Nobby und ich wollten mal die Burger zu einem Schnäppchenpreis von 12,80 probieren. Im Nachhinein stellte sich dies als billig heraus, da sich die Kellnerin zu unseren Gunsten vertan hatte und wir die doppelte Portion hatten.

 

Wir beschlossen nun noch ein Absackerbierchen zu trinken und die Kojen zu beziehen. Aus 1 mach 24 und die Stimmung wurde immer besser. Dies resultierte darin, dass das Schiff fest in Hamburger Hand war und man Wechselgesänge mit einem britischen Junggesellinnenabschied zelebrierte und die Bühne der Disco eroberte, woraufhin die Band flüchtete. Ein netter Nebeneffekt des Bierkonsums war, dass man vom Seegang nichts mehr merkte und zu denen gehörte, die gerade über’s Deck liefen.

Tag 4 - Home sweet home

Nach einer kurzen Nacht ging es wieder in die Busse und wir kamen überpünktlich in Hamburg an. Gelehrt hat uns die Fahrt so einiges:

 

- man sollte sich sein Essen mit auf die Fähre nehmen, da Apothekerpreis als Bezeichnung noch geschmeichelt ist

- britische Polizisten sind netter als unsere und auch für Witzchen auf deren Kosten zu haben

- man sollte seine eigene Klobürste einpacken

- HSV-Reisen ist nicht SC-Reisen

- niemals Black Pudding essen

- Auswärts nach Schottland? Immer!

 

 

Auch wenn wir einen holprigen Start hatten und dieser Bericht einige abschrecken könnte, war es alles in allem eine geile Fahrt.

 

 

Oli